Sculpture Network Dialogue: Bewahren und Erinnern

Figuren im Park + Tee mit trockenen Keksen

Was passiert mit Skulpturen, wenn niemand mehr hinschaut? Und wie schafft man Räume, in denen Kunst wirklich ankommt – nicht im Depot, sondern mitten im Leben?

Genau diesen Fragen bin ich als Sculpture Network Koordinatorin für Berlin/DE Nordost am 11. Juli 2025 in unserem Dialogue-Format nachgegangen. Unter dem Titel „Bewahren und Erinnern“ haben wir uns durch zwei sehr unterschiedliche, sehr besondere Orte im Westen Berlins bewegt.

Station 1: Figuren im Park – Kunst auf einem Klinikgelände

Den Auftakt machte der Skulpturenpark auf dem Gelände der DRK Kliniken Berlin Westend – eine Stiftung von Heidi & Dieter Brusberg, die dort still und stetig etwas Bemerkenswertes aufgebaut hat.

Dr. Eva Morawietz, Kuratorin und Vorsitzende der Stiftung, hat uns durch die Sammlung geführt – und ich muss sagen: engagierter und kurzweiliger geht es kaum. Sie erklärte, was die Stiftung antreibt: Skulpturen nicht wegzusperren, sondern sie dauerhaft in einem Ort des Alltags zu verankern, wo sie Menschen begegnen, die gar nicht gezielt ins Museum gegangen sind.

Werke von Leiko Ikemura, Dietrich Klinge und Alexander Polzin stehen da zwischen Wegen und Bäumen, herausfordernd und sinnstiftend zugleich. Kunst an einem Ort des Heilens – das hat eine Wirkung, die immer mehr diskutiert wird. Mittlerweile ist es nachgewiesen, dass Kunst gucken gesund ist.

Station 2: Georg-Kolbe-Museum – Tea and Dry Biscuits

Weiter ging es ins Georg-Kolbe-Museum, zur Jubiläumsausstellung „Tea and Dry Biscuits“. Der Titel klingt nach englischer Zurückhaltung – und genau das ist Programm.

Dr. Elisa Tamaschke, Kuratorin und Leiterin für Ausstellungen, Forschung und Publikationen, hat uns durch eine Schau geführt, die sich anlässlich des 75jährigen Bestehens des Museums dem Erinnern widmet – in all seinen Formen, privat wie öffentlich. Zeitgenössische Positionen von Heike Kabisch, Laure Prouvost und Marion Verboom nähern sich dem Thema jeweils ganz anders, und doch zieht sich ein gemeinsamer Faden durch: Wir inszenieren Erinnerung. Wir wählen etwas aus, das andere lassen wir fallen.

Mich hat beeindruckt, wie konsequent die Ausstellung das im durch ambivalenten historischen Kontext von Kolbes eigenem Werk verankert. Vergänglichkeit und Gedächtnis als kuratorisches Leitmotiv – das bestimmt die Semantik der Jubiläumsausstellung.

Ausklang im Garten von Georg Kolbe

Das Schöne am Dialogue-Format ist der Teil danach. Im Café Bejamine – bei schönem Wetter im Garten des ehemaligen Wohn- und Atelierhauses von Kolbe – haben wir uns zum Sculpture Network Showroom zusammengefunden.

Was da passiert, ist stets sehr bereichernd: gute Gespräche unter Gleichgesinnten. Über das Gesehene, über Bewahrung und Zugänglichkeit, über die eigene Praxis. Diese Gruppe von Künstler:innen, Kurator:innen und Skulptur-Lieberhaber:innen hat den Nachmittag mit echter Neugier und Energie mitgetragen – dafür bin ich dankbar.

Was bleibt

Zwei Orte, eine These: Es macht einen Unterschied wie und wer Kunst bewahrt.

Der stiftungsgetragene Klinikpark und die institutionelle Jubiläumsausstellung geben sehr verschiedene Antworten. Aber beide zeigen, dass Bewahrung kein passiver Akt ist. Es braucht Menschen, die sich kümmern, die vermitteln, die Türen aufhalten.

Zwei verschimmelte Organgen sind Gegenstand der ephimeren Installation von Alvaro Urbano mit dem Titel "Noches en los Jardines de Espana" aus dem Jahr 2020
Álvaro Urbano, Noches en los Jardines de España, 2020. Ausstellungssansicht Tea and Dry Biscuits. Eine Jubiläumsausstellung. Georg Kolbe Museum, 2025, Foto: Enric Duch

Ein großes Dankeschön an Dr. Eva Morawietz und Dr. Elisa Tamaschke für ihre Zeit, ihre Expertise und ihre Gastfreundschaft.