Wolf Vostell – SUN IN YOUR HEAD

Ausstellung zum 50-jährigen Jubiläum des Museo Vostell Malpartida vom 17. Okt. 2026 bis Mai 2027

Mit einem Videoprogramm mit Nevin Aladağ, Natalie Bookchin, Daniel Canogar, Nezaket Ekici, Eva & Franco Mattes, Bjørn Melhus, Rosa Menkman und Sabrina Ratté

Anlässlich seines 50-jährigen Jubiläums präsentiert das Museo Vostell Malpartida (MVM) die Ausstellung Wolf Vostell: Sun in Your Head. Im Mittelpunkt stehen Vostells frühe Fernsehwerke, darunter 6 TV Dé-coll/age (1963), eine Leihgabe des Museo Reina Sofía, die Installation You (1964) und das Video Sun in Your Head (1963).

Ein Videoprogramm mit acht internationalen Beiträgen, von Nevin Aladağ bis Sabrina Ratté, überträgt Vostells Frage nach dem manipulierten Bild in den digitalen Bildstrom – vom PAL-Signal über Found Footage bis hin zu KI-generierten Bildern.

„Wir leben in einer Zeit, in der niemand mit Sicherheit sagen kann, ob ein Bild von einer Kamera aufgenommen oder von einer Maschine erzeugt wurde. Vostell hat diesen Zustand bereits 1963 vorausgesehen. Als er das Fernsehbild direkt vom Bildschirm filmte und es zerfallen ließ, war genau das sein Anliegen: zu zeigen, dass jedes Medienbild konstruiert ist.“


Levin Vostell, Kurator und künstlerischer Leiter des Museo Vostell Malpartida

Bereits Ende der 1950er Jahre, lange bevor das Medium Video existierte, machte Wolf Vostell das Live-Fernsehbild zum Material der Kunst. Das zugrunde liegende Prinzip hatte er 1954 entdeckt, als er in Le Figaro in einer Schlagzeile über einen Flugzeugabsturz auf das Wort „dé-coll/age“ stieß: abreißen, ablösen, verwischen.

Der Ursprung dieser Arbeit mit dem Fernsehbild liegt in der Extremadura. 1958 kam Vostell zum ersten Mal nach Cáceres, und im selben Jahr entstanden in Cáceres der Zyklus Transmigración (1958) sowie in Leverkusen die Installation Das schwarze Zimmer (1958/1959) – die ersten Werke in der Kunstgeschichte, in denen ein laufender Fernseher integriert wurde. In TV für Millionen (1959) griff Vostell dann erstmals direkt in das Fernsehbild ein: Die Live-Übertragung selbst wurde zum Material.

Die erste Videoinstallation 6-TV-Dé-coll/age von WOLF VOSTELL aus dem Jahr 1963 in einer Rekonstruktion von 1995 für das Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid
Wolf Vostell, 6 TV Dé-coll/age, 1963, Rekonstruktion 1995. Environment: sechs Aktenschränke, sechs Fernsehgeräte, Telefon. Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid

Parallel dazu wurde Vostell zum Begründer des Happenings in Europa. You, ein Happening, das er 1964 zunächst auf Long Island inszenierte, führte zur Entstehung der gleichnamigen Environment-Installation mit Krankenhausbetten und eingeschalteten Fernsehgeräten. Beide Werke werden in ihren Rekonstruktionen von 1995 in der Ausstellung gezeigt.

Das Environment YOU aus dem gleichnamigen Happening von 1964 in einer Rekonstruktion des Nachlass WOLF VOSTELL aus dem Jahr 1995
Wolf Vostell, „You“, 1964, Rekonstruktion 1995. Environment: drei Krankenhausbetten, drei Fernseher, Antennen. Der Nachlass von Wolf Vostell

1976 gründeten Mercedes und Wolf Vostell das Museo Vostell Malpartida (MVM) in dem historischen Komplex einer Wollwaschanlage aus dem 18. Jahrhundert – eines der ersten Museen für zeitgenössische Kunst in Spanien. Vostell konzipierte es als „Museo sin muros“, ein Museum ohne Mauern, in dem Kunst und Natur ein gemeinsames Format bilden. Sein Gründungswerk, VOAEX (1976), ein in Beton gegossenes Automobil, steht noch immer inmitten der Granitfelsen des Naturdenkmals Los Barruecos in der Nähe von Malpartida de Cáceres (Extremadura, Spanien).

Die Ereignis-Skulptur VOAEX - ein einbetonierter Opel Admiral inmitten des Naturdenkmals Los Barruecos in Malpartida de Cáceres, Extremadura/Spanien
Wolf Vostell: VOAEX – Viaje Hormigon en Alta Extremadura, 1975. Ereignisskulptur in Los Barruecos, Naturdenkmal bei Malpartida de Cáceres

„Mercedes und Wolf Vostell eröffneten dieses Museum 1976 in einer Wollwaschanlage in Los Barruecos, in einem Land, in dem es damals kaum Orte für zeitgenössische Kunst gab. Vostell nannte es ein Museum ohne Wände. Fünfzig Jahre später nehmen wir ihn beim Wort und stellen seine Fernseh- und Videoarbeiten neben Werke zeitgenössischer Künstler, die das Bild heute mit demselben Misstrauen betrachten, das Vostell einst hegte. Das Museo Vostell Malpartida bewahrt nicht nur das, was einmal war. Es zeigt, wie sich sein künstlerischer Ansatz, die Dé-coll/age, weiterentwickelt hat.“

Levin Vostell

02   DAS VIDEOPROGRAMM

Standbilder aus der Video-Choreographie MASS ORNAMENT von NATALIE BOOKCHIN aus dem Jahr 2009
Natalie Bookchin: Mass Ornament, 2009. Video-Choreographie aus Youtube-Videos zu einer Filmmusik. Video still

Acht internationale Positionen führen Vostells künstlerische Strategie der dé-coll/age fort: das Bild als Material, nicht als Botschaft, nun im digitalen Bildstrom. Die Werke laufen auf Bildschirmen, die auf Sockeln unterschiedlicher Höhe aufgestellt sind, angelehnt an die 6 TV Dé-coll/age. Was Vostell 1963 mit sechs Fernsehgeräten begann, setzt sich hier in acht Videoarbeiten fort, deren Bilder aus dem Internet, aus Überwachungssystemen und aus generativen Programmen stammen.

Standbild aus der Videoarbeit THE COLLAPSE OF PAL von ROSA MENKMAN aus dem Jahr 2010
Rosa Menkman: The Collapse of PAL, 2010. Standbild.

Drei Werke greifen direkt in das Signal ein. In The Collapse of PAL (2010) lässt Rosa Menkman Walter Benjamins Engel der Geschichte, das Ende des analogen PAL-Signals betrachten: Für tot erklärt, lebt es als Spur in den vermeintlich besseren digitalen Technologien weiter. In Transit (2011) verwandelt Sabrina Ratté eine beleuchtete Karte von Paris mittels Videofeedback in eine fließende elektronische Landschaft. Daniel Canogars generatives Werk Wayward (2022) bezieht sich explizit auf Vostell: Fünfzig Jahre nach Vostells „Verwischungen“, seinen unscharf gemachten Pressefotos, verarbeitet es die täglichen Nachrichtenbilder der Gegenwart, und da der Nachrichtenstrom niemals versiegt, bleibt das Werk unvollendet.

Drei weitere Künstler arbeiten mit dem gefundenen und dem generierten Bild. In Ich weiß nicht, wer das ist (1991) schneidet Bjørn Melhus Figuren aus den Tonspuren von Film und Fernsehen heraus, verkörpert sie selbst und verwandelt die Leinwand in einen Spiegel der Doppelgänger. In Mass Ornament (2009) fügt Natalie Bookchin Hunderte von online geteilten Videos von Menschen, die allein in ihren Zimmern tanzen, zu einem Medienornament zusammen. In Re: Re: Re: Net Art (2025) lassen Eva & Franco Mattes die Netzkunst der 1990er Jahre wiederaufleben, nun generiert durch eine künstliche Intelligenz: 64 maschinengenerierte Websites auf einem Computer, den sie selbst gebaut haben. Das gefundene Bild, mit dem Vostell arbeitete, kehrt hier als maschinell erzeugtes Bild zurück.

Zwei weitere Arbeiten bringen den Körper zurück ins Bild, so wie es Vostells Happenings taten. In Transmission (2020) baut Nezaket Ekici aus schwarzen Skulpturen einen begehbaren QR-Code; wer ihn scannt, wird aus dem Raum zurück ins Netz geschickt. In Raise the Roof (2007) lässt Nevin Aladağ vier Tänzerinnen mit ihren Stöckelschuhen auf einem geteerten Dach an der ehemaligen Berliner Grenze, einst Patrouillenroute der DDR-Grenztruppen, tanzen; der verstärkte Klang ihrer Schritte verwandelt isolierte Bewegungen in eine gemeinsame Form des Widerstands.

„Alle acht Künstler des erweiterten Videoprogramms übertragen Vostells künstlerisches Prinzip, er dé-coll/age, in die Gegenwart. Sie nehmen das Bild, das ihnen die Technologie ihrer Zeit liefert, und greifen gestalterisch in dieses ein. Für Vostell war es das Fernsehbild; hier sind es das PAL-Signal, die Webcam, der Algorithmus.“

Anemone Vostell, Kuratorin des Videoprogramms

Mehr als sechzig Jahre nach Sun in Your Head, in einem Zeitalter synthetischer und algorithmisch generierter Bilder, rückt die Ausstellung Vostells Frage wieder in den Mittelpunkt: Wer erstellt das Bild, das wir für die Realität halten?

Die Ausstellung wurde kuratiert von Levin Vostell · Das erweiterte Videoprogramm wurde kuratiert von Anemone Vostell · Eine Koproduktion mit dem Goethe-Institut Madrid  ·  Malpartida de Cáceres, Oktober 2026

Bjørn Melhus: Ich weiß nicht wer das ist, 1991. Video-Standbild.

Gegossen in Berlin und Brandenburg

300 Jahre Kunstguss zwischen Lauchhammer und Spreebord

Von der brandenburgischen Gründungssensation über Berlins bedeutende Gießereien bis zu einem digitalen Archiv, das Skulptur neu sichtbar macht: eine Spurensuche.

Der Bronzeguss ist ein Verfahren, das sich seit dreitausend Jahren kaum verändert hat. Ton, Wachs, flüssiges Metall, fertige Form. Die Schritte sind dieselben geblieben, auch wenn die Werkzeuge moderner geworden sind. In Berlin und Brandenburg ist diese alte Technik ungewöhnlich tief verwurzelt.

1784: Das Wunder von Lauchhammer

Im Süden Brandenburgs, in einer moorigen Niederung zwischen Spreewald und Lausitz, ereignete sich 1784 etwas, das Zeitgenossen als kunsttechnische Sensation feierten. In der Eisengießerei Lauchhammer gelang zum ersten Mal in der Weltgeschichte der Figurenguss einer lebensgroßen Hohlfigur aus Gusseisen, in einem einzigen Stück! Die Zeitgenoss:innen nannten das abgelegene Lauchhammer fortan einen „kunsttechnischen Wallfahrtsort“.

Den Grundstein hatte sechzig Jahre zuvor eine Frau gelegt. 1725 ließ die Unternehmerin Benedicta Margaretha Freifrau von Löwendal einen Holzkohle-Hochofen errichten, den „Lauch-Hammer“. Den entscheidenden Impuls zur Kunst setzte ab 1776 ihr Nachfolger Detlev Carl Graf von Einsiedel, der die Bildhauer Thaddäus Ignatius Wiskotschil aus Böhmen und Joseph Mattersberger aus Osttirol holte, um das völlig neue Verfahren des Hohlgusses zu entwickeln.

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Anna Franziska Schwarzbach: Benedicta Margaretha Freifrau von Löwendal, 2025. Eisenguss vor dem Kunstgussmuseum Lauchhammer. Foto. Anemone Vostell.

In Lauchhammer verdichtete sich die Verbindung von Handwerk und Kunstgeschichte. Schinkel entwarf gusseiserne Möbel und Gebrauchsgegenstände, die dort gefertigt wurden. Christian Daniel Rauch lieferte Modelle für Bronzestatuen im Posener Dom; ein Auftrag, der der Gießerei eine Goldmedaille auf der Pariser Weltausstellung 1855 eintrug. Das Luther-Denkmal in Worms, der gusseiserne Nil-Pavillon von Gezira zur Eröffnung des Suezkanals: Die Erzeugnisse der brandenburgischen Gießerei standen bald auf allen Kontinenten.

Das Kunstgussmuseum Lauchhammer bewahrt diesen Schatz: einen historischen Modellfundus von über 2.800 Objekten; einmalig in der Welt. 2025 wurde das 300-jährige Jubiläum mit der Enthüllung einer Statue der Gründerin Freifrau von Löwendal, geschaffen von der Berliner Künstlerin Anna Franziska Schwarzbach, gegossen vom Traditionsunternehmen der Gießerei Lauchhammer, gefeiert (ein Eisenguss der Büste wurde bereits 2022 auch in der Galerie der Gießerei Altglienicke, einem Sculpture-Network-Mitglied, ausgestellt). Die Gießerei Lauchhammer musste 2024 Insolvenz anmelden; ein Zeichen dafür, dass das kulturelle Erbe allein keine Gießerei am Leben hält! Dennoch als älteste Kunstgießerei Deutschlands arbeitet sie weiter.

Die Linie von Lauchhammer nach Berlin: Das Haus Noack

Es ist kein Zufall, dass der Gründer der bedeutendsten Berliner Kunstgießerei aus der Lausitz stammte und sein Handwerk in Lauchhammer erlernte. Hermann Noack I., 1867 in der Oberlausitz geboren, eröffnete 1897 – unterstützt durch die Berliner Bildhauer August Gaul und Fritz Klimsch – in einem Kellergeschoss in Berlin-Wilmersdorf seine eigene Gießerei. Zuvor hatte er an der Montage des Nationaldenkmals Kaiser Wilhelms I. von Reinhold Begas mitgewirkt. Die Mitarbeiter fielen während des Gusses gelegentlich in Ohnmacht. Es war ein ungemütlicher Beginn für ein Unternehmen, das ein Jahrhundert später zu den fünf führenden Kunstgießereien der Welt zählen würde.

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Hermann Noack III. mit Reclining Figure von Henry Moore. Foto: Bildgießerei Hermann Noack

Die Bildgießerei wurde zur ersten Adresse des deutschen Bronzegusses und ist bis heute ein Familienunternehmen in vierter Generation: Hermann Noack I. (1867 – 1941), II. (1895 – 1958), III. (1931 – 2026) und IV. (geb. 1966). Besondere Bedeutung kommt Hermann Noack III. zu, der das Unternehmen bereits mit 27 Jahren von seinem Vater übernahm und ab 1958 eine enge, jahrzehntelange Zusammenarbeit mit Henry Moore begann; eine der fruchtbarsten Künstler-Gießerei-Beziehungen des 20. Jahrhunderts. Den Auftakt bildete der Guss der Draped Reclining Woman; es folgten zahlreiche Großwerke, darunter die monumentale Reclining Figure für das Lincoln Center in New York (1965), wie auf einem Gruppenbild im Henry-Moore-Archiv festgehalten ist.

Zum 70-jährigen Jubiläum der Gießerei 1967 schrieb Moore persönlich das Vorwort der Festschrift; ein ungewöhnlicher Ausdruck gegenseitiger Wertschätzung. Und Kunstkritiker Heinz Ohff kommentierte darin treffend: „Zwischen dem Entwurf des Künstlers in Wachs oder Gips und der endgültigen Ausführung liegt ein handwerklicher Prozess, der seine eigene Fertigkeit verlangt und seine eigene Tradition hat, die bis ins zweite Jahrtausend v. Chr. zurückreicht.“

Noack prägte die Bronze im Berliner Stadtbild in besonderer Weise: die Neuherstellung der Quadriga von Schadow, der Guss der Berliner Bären nach Renée Sintenis – deren Werke die Gießerei bereits ab 1913 ausführte –, die Restaurierung der Viktoria auf der Siegessäule. Auch während der Teilung Berlins blieb die Gießerei in West-Berlin für internationale Künstler aktiv und hielt die Verbindung zur globalen Kunstwelt. 2009 zog sie dann in einen modernen Neubau am Spreebord in Charlottenburg.

Ernst Barlach und die Bildgießerei Noack: Wenn Bronze überlebt, was eingeschmolzen wurde

Zwischen der Berliner Bildhauertradition und der Bildgießerei Noack gibt es eine Beziehung, die zugleich die schönste und die erschütterndste Geschichte des deutschen Kunstgusses im 20. Jahrhundert erzählt, in deren Mittelpunkt der Bildhauer Ernst Barlach steht.

Barlach lebte ab 1910 überwiegend zurückgezogen, fern vom Berliner Kunstbetrieb. Er war vor allem Holzbildhauer, aber für das Bleibende verlangte er nach Bronze. Genau dafür fand er in der Bildgießerei Noack den idealen Partner. 1927 schuf er den Schwebenden: eine schwebende Bronzegestalt als Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Die Gesichtszüge tragen unverkennbar die Züge seiner Freundin Käthe Kollwitz, die ihrerseits eng mit Noack verbunden war.

Noack Galerie: Ausstellungsansicht „Ernst Barlach zum 150. Geburtstag“, 2022. Foto: Roman März
Noack Galerie: Ausstellungsansicht „Ernst Barlach zum 150. Geburtstag“, 2022. Foto: Roman März

1937 entfernten die Nationalsozialisten den Schwebenden als „entartete Kunst“. 1941 wurde er eingeschmolzen, als Material für Munition. Nur weil Freunde das Werkmodell gerettet und einen Zweitguss hatten herstellen lassen, existiert das Werk überhaupt noch; es war wiederum Noack, der nach dem Krieg die Teile restaurierte. Dass das Werk überlebte, verdankt es allein der Existenz eines zweiten Gusses. Kein anderes Kapitel der Gussgeschichte macht den politischen Charakter des Materials so eindringlich sichtbar: Bronze ist dauerhaft, aber sie ist nicht unzerstörbar. Es ist ihre Duplizierbarkeit, die zur Technik des kulturellen Widerstands wurde.

Bildhauerei in Berlin: Das digitale Gedächtnis der Stadt

Wer wissen will, welche Skulptur wann wo in Berlin stand oder steht, stößt früher oder später auf bildhauerei-in-berlin.de: eine Datenbank, die Denkmäler und Kunstwerke im öffentlichen Raum der ehemals geteilten Stadt systematisch erfasst. Hinter dem Projekt steht Prof. Dr. Susanne Kähler, Professorin für Museologie an der HTW Berlin. Von 2007 bis 2014 leitete sie das Kunstgussmuseum Lauchhammer, ehe sie Professorin an der HTW Berlin wurde. 2018 übernahm sie das Projekt Bildhauerei in Berlin an der Hochschule. Die Plattform steht für ein differenzierteres Bild der DDR-Plastik: Bildhauer:innen wie Sabina Grzimek, Wieland Förster oder Wilfried Fitzenreiter haben Werke von hoher Qualität geschaffen, die eine sorgfältige Betrachtung verdienen. Bildhauerei-in-berlin.de ist mehr als ein Archiv; es zeigt auf, dass Skulptur im öffentlichen Raum kollektives Gedächtnis ist.

Bodytalk 2026: Berlin als Ort der Figur

Im Oktober 2026 bringt das Internationale Forum Bodytalk – Die Rückkehr der menschlichen Figur in der zeitgenössischen Skulptur die internationale Skulpturszene nach Berlin. Das von Sculpture Network ausgerichtete Forum ist ein fester Termin im Kalender der europäischen Kunstwelt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die menschliche Figur in der westlichen Kunst weitgehend aufgehört zu existieren. Von den totalitären Regimes für Propaganda instrumentalisiert, war sie zum Tabu geworden. Seit den 1980er Jahren kehrt die Figur zurück, aber in neuer Form: nicht als Idealkörper oder heroisches Denkmal, sondern als Trägerin existenzieller Fragen. Prof. Dr. Susanne Kähler spricht auf dem Forum über Body language in public sculpture of (the two) Berlin(s) and their development from the 1980s on. Damit schließt sie den Bogen, der die Bildhauerei der geteilten Stadt in ihren Gegensätzen und Parallelen begreifbar macht und unmittelbar an ihre Arbeit für bildhauerei-in-berlin.de anknüpft.

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Die Stehende und liegende Gruppe 1987 in der Ausstellung „Kunst in Berlin 1648 – 1987“ vor dem Alten Museum. Foto: P. H. Feist, 1988 (korr. 1987), CC-BY-SA-4.0-int., HU Berlin IKB, Slg. Feist, 165.18

Zum Abschluss der dreitägigen Konferenz lädt die Bildgießerei Noack die internationalen Gäste des Forums zu einer Führung durch das traditionsreiche Haus am Spreebord ein: durch Gießraum, Ziselierwerkstatt und die zeitgenössische Galerie. Besonders reizvoll ist der Einblick in das im Gebäudekomplex der Gießerei befindliche Atelier der russischen Bildhauerin Anna Bogouchevskaia, einer international ausgewiesenen Künstlerin an der Schnittstelle von Figuration und Abstraktion. Ein lebendiges Zeugnis dafür, dass hier Handwerk und freies Schaffen seit jeher miteinander existieren. Den Abend beschließt ein festliches Dinner in der der Gießerei angeschlossenen Bar Brasse, einem französischen Restaurant mit offenem Kamin, das den idealen Rahmen für Gespräche bietet, die über die Konferenz hinausgehen.

Nachlese: Was die Bronze (ver)spricht

Die Geschichte des Kunstgusses in Berlin und Brandenburg ist keine Geschichte des Bewahrens um des Bewahrens willen. Sie ist eine Geschichte der Verwandlung. Das Eisen der Niederlausitz wurde zur Sensation von Lauchhammer; das Handwerk der Lausitz wanderte mit Hermann Noack nach Berlin; die Bronze bewahrte Barlachs Werk vor der Vernichtung; das digitale Archiv macht sichtbar, was im Stadtraum längst unsichtbar geworden war.

Und vom 29. bis 31. Oktober 2026 werden Menschen aus ganz Europa nach Berlin kommen, um über die menschliche Figur zu sprechen. Über das, was stille Gesten ausdrücken können. Über das, was Bronze hält, wenn alles andere zerbricht.

Anna Franziska Schwarzbach: Jubiläumsplakette – 300 Jahre Eisenwerk, 2025. Foto: Anemone Vostell
Anna Franziska Schwarzbach: Jubiläumsplakette – 300 Jahre Eisenwerk, 2025. Foto: Anemone Vostell

Brancusi in Berlin

Ein Sculpture Network Dialog mit Katharina-Maria Raab

Um mehr über die Formensprache von Brancusi zu erfahren und weitere Highlights der Skulpturensammlung der Neuen Nationalgalerie zu entdecken, organisierte ich einen dialogischen Rundgang mit der versierten Kunsthistorikerin und Galeristin Katharina-Maria Raab.

Die Referentin der Akademievortragsreihe Skulptur der Moderne führte unsere ausgewählte Gruppe von 20 Personen – überwiegend Sculpture Network-Mitglieder, die u. a. aus Hannover bzw. München angereist waren – durch die Sonderausstellung der Neuen Nationalgalerie Berlin.

Beeindruckend sind vor allem die Frauenporträts, darunter Eine Muse (Gips auf Sockel aus Kalkstein und Pappelholz, nach 1917) vor dem Ölgemälde Frauenprofil mit Dutt, geneigtes Gesicht, vor 1924, das die Vielfältigkeit des künstlerischen Schaffens von Brancusi und seiner Materialien zeigt.

Und wie von selbst stellt sich die Frage: Ist der Sockel überhaupt ein Sockel, oder ist er Teil der Skulptur? 

Betrachtet man Letzteres, wird klar, dass auch Brancusi, der von Rodin – sehr schön am Beispiel der Bürger von Calais zu sehen – entwickelten Methode folgt, die Skulptur auf Augenhöhe des Betrachters zu bringen. Steht man vor dem Portrait Nancy Cunard (Kluge Junge Dame) von 1926, wird augenscheinlich, dass die Büste in den Körper des Sockels übergeht. Man sieht förmlich die schlanke Figur und die langen dünnen Beine der jungen Frau.

Und dennoch, bei aller Reduktion der Form, kann man bei Brancusi nicht von Abstraktion sprechen, es ist eher ein Abstrahieren des Figürlichen, denn seine Skulpturen bleiben weiterhin gegenständlich, erklärt uns die Kunsthistorikerin.

Auch wenn Brancusi eine herausragende Künstlerpersönlichkeit darstellt, so ist er doch nicht isoliert. Einflüsse seiner Zeit, seien es die damalige Aktualität der Esoterik oder auch der Alchemie, für die er sich interessierte, sieht man seinen Werken an. Mitunter zitiert er sie humorvoll, wie man an dem selbstgebauten Lautsprecher in seinem Atelier vermuten kann: Ist das nicht ein Verweis auf die erste öffentliche Ausstellung der Suprematisten in Moskau, auf das Werk „Schwarzes Quadrat“ von Kasimir Malewitsch, oben in der Ecke präsentiert? Fotografien des Künstlers zeigen, wie er die Inszenierung seiner Skulpturen im Atelier mit schwarzen und roten Farbflächen unterstreicht.

Die Berliner Ausstellung markiert das 150. Geburtsjahr des Künstlers, das auch in Rumänien groß gefeiert wird. So veranstaltet die Inter-Art-Stiftung Aiud die erste Ausgabe der CONSTANTIN BRANCUSI Skulpturentriennale, zu der 28 ausgewählte Künstler:innen aus 25 Ländern eingeladen wurden. Darunter auch Mitglied Vera Staub, die in Nachbarschaft zu einigen monumentalen Werken Brancusis aus der Sammlung des Muzeul National Constantin Brancusi in Târgu Jiu, Gorj, Rumänien, ihre Sandsteinfigur Ma Petite von 2008 zeigen wird. Wie die Veranstalter mitteilen, werden die Details zur Triennale, die vom 16. Mai bis 16. Juni 2026 stattfindet, in Kürze veröffentlicht.

Wer nicht bis dahin warten will, dem sei die Akademievortragsreihe Skulpturen der Moderne zur Sonderausstellung „Brancusi“ mit vier Terminen im Mai (6. – 27.Mai 2026) im Vortragssaal Kulturforum empfohlen, in denen Referentin Katharina Maria Raab zeigt, wie Brancusis Skulpturen durch reduzierte Linienführung, präzise ausbalancierte räumliche Dimensionen, Proportionen und den bewussten Einsatz von Raum, Material und Wahrnehmung neue Maßstäbe der Moderne setzten.

Wir haben an diesem Nachmittag einen Vorgeschmack darauf erhalten und sind begeistert!

MK Kaehne – BAR DELUXE

The Reversal of the Readymade

29. November 2024 – 9. März 2025

MK Kaehne - Bar Deluxe, 2004. Polyester, Chrom, Leder, 87 x 270 x 250 cm (geöffnet)
MK Kaehne – Bar Deluxe, 2004. Polyester, Chrom, Leder, 87 x 270 x 250 cm (geöffnet)

Die Ausstellung BAR DELUXE des Konzeptkünstlers MK KAEHNE nimmt Bezug auf die Fluxus-Sammlung des Museo Vostell Malpartida – Donation Gino di Maggio und zeigt eine Auswahl von Skulpturen, Objekten und Fotografien aus seinem erweiterten Werkzyklus Bar.

Vor dem Hintergrund des russischen Konstruktivismus und des Moskauer Konzeptualismus hinterfragt KAEHNE die zeitgenössische Idee von Kunst.
Während Duchamp das Urinal zum Readymade erklärte und damit seine Funktion leugnete, betonten Fluxisten wie George Brecht in Werken wie Sink, das in der Sammlung des Museums gezeigt wird, die Absurdität des Alltäglichen.

George Brecht: Sink, 1962 - 1963. Donation Gino Di Maggio im Museo Vostell Malpartida
George Brecht: Sink, 1962 – 1963. Donation Gino Di Maggio

KAEHNE seinerseits bedient sich der Grammatik des Surrealismus, des Dadaismus und des Fluxus und verwandelt die hyperästhetische Funktionalität seiner Objekte und Skulpturen in Kunst.

Neben der Arbeit Bar Deluxe (2004) sind zentrale Werke wie Die Vorliebe der Bourgeoisie für den Surrealismus… (2011) bis hin zu brandneuen Arbeiten wie Partygirls und Stecker, beide aus diesem Jahr in der Ausstellung zu sehen. 

MK Kaehne: Partygirls, 2024. Fotoprint, Passepartout, gerahmt, Ed. 5, 45 x 58,5 cm.
MK Kaehne: Partygirls, 2024. Fotoprint, Passepartout, gerahmt, Ed. 5, 45 x 58,5 cm.

Vernissage unter Anwesenheit des Künstlers

29 November 2024 – 7.30 pm

Museo Vostell Malpartida
Carretetera de Los Barruecos s/n
10910 Malpartida de Cáceres
Extremadura/Spain

Aktuelle Infos finden Sie auf der Facebook-Seite

MK Kaehne – BAR DELUXE

sowie hier:

https://www.facebook.com/museovostellmalpartida

SISYPHOS – der Unermüdliche

Bildhauer*innen Symposium
WOLF WERK Halle 109, Darmstadt/DE

11. – 18. Mai 2025
Künstler*innen-Aufruf (Deadline: 31. Januar 2025)
Sisyphus von Antonio Zanchi (1631-1722), Öl auf Leinwand, 1660

Sisyphos wird als eingebildeter, frecher Kerl beschrieben und so verärgert er die Götter. Sie bestrafen ihn, indem sie ihn verdammen, einen riesigen Felsen Tag für Tag auf einen Berg heraufzuschaffen, auf dass dieser Nacht für Nacht wieder herabrollt.

Auf den ersten Blick ist das ein Fluch, doch gleichzeitig ist es eine Aufgabe, die Sisyphos damit hat. „Also müssen wir uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen denken“ schreibt Albert Camus in seinem Aufsatz „Der Mythos des Sisyphos“. Größer könnte die Unterschiedlichkeit in der Auslegung dieser Metapher als Fluch oder als Aufgabe nicht sein.

Stahlbildhauer Georg-Friedrich Wolf greift die Gestalt des Sisyphos, die in der europäischen Kultur immer wieder Anregung und Gegenstand künstlerischer Schöpfungen von Literatur, Malerei, bis Bildhauerei wurde, als Thema für das dritte Wolf-Werk Symposium im Mai 2025 auf.

Wolf-Werk SISYPHOS 2024, Stahlobjekt von Georg-Friedrich Wolf.
Georg-Friedrich Wolf: Sisyphos, 2024. Studie.

Bildhauer*innen aus ganz Europa sind eingeladen, sich für das Symposion zu bewerben um sich in ihrem Material, sei es Stahl, Stein oder Holz, zu diesem vielschichtigen Thema „SISYPHOS – der Unermüdliche“ auszudrücken und von den Synergien des Symposions zu profitieren. Auch materialübergreifende Erfahrungen, sowie das Wechselspiel von Materialien unter gegenseitiger Inspiration und/oder Hilfestellung sind willkommen.

Drei bis vier von der Jury ausgewählte Bildhauer*innen erhalten die Möglichkeit, in der historischen Halle 109, dem Wolf-Werk in Darmstadt, über einen Zeitraum von einer Woche zu kreativem Austausch und gemeinsamem Schaffen an den unterschiedlichsten Skulpturen zusammenzukommen.

Das Thema „SISYPHOS – der Unermüdliche“ soll dabei in seiner bildhauerischen wie inhaltlichen Bedeutung ausgelotet werden. Künstlerisch sind verschiedenste Varianten und Themenstellungen vorstellbar: „Der Leidende oder der Heroische“, „der Sklave seiner Strafe“ oder „der Mensch, dessen Existenz durch seine Aufgabe Sinn erfährt.“

Am Ende des Symposions werden die entstandenen Arbeiten im Rahmen eines dreitägigen Abschluss-Events mit Künstlergesprächen, Bildhauervorträgen und einer Ausstellung vorgestellt.

Ort:
Die Halle 109 bietet mit ihrer Atmosphäre, ihrer Größe und ihrer Ausstattung hervorragende Voraussetzungen für verschiedenste Schaffensprozesse:
450qm Werkstatt Arbeitsfläche plus Außenbereich (ca. 1000qm)

WOLF-WERK 
Blick in die Halle 109
WOLF-WERK – Blick in die Halle 109
  • Equipment: Kran, Stapler, alle Arten Hebe- und Transportfahrzeuge• Hydraulikpresse und Lufthammer• Steinmetzwerkzeuge in Abstimmung organisierbar • Schweißgeräte sowie Gas und Sauerstoff verfügbar
  • Materialien: Stahl aller Formate auf Vorbestellung (in Absprache) • Vermittlung von Materialien wie Holz oder Stein möglich
  • Kost und Logis: Verköstigung durch ortsansässigen Caterer möglich (Kostenbeteiligung) je nach Abstimmung in privater Pension oder zu Sonderkonditionen im Hotel
  • Anreise: auf eigene Kosten
  • Transport: der An- und Abtransport der Materialien und Werke geht zu Lasten der Teilnehmenden

Bewerbung:

Bildhauer und Bildhauerinnen aus ganz Europa können sich zur Teilnahme an dem Symposion bewerben. Einzureichen unter sind ausschließlich in digitaler Form:

  • Bewerbungsformular (per E-mail erhältlich)
  • Portfolio inkl. CV, Arbeitsproben und Artist-Statement (max. 2 MB)

Eine Jury bestehend aus Anne Berk – Kuratorin und Vize-Präsidentin Sculpture Network, Eric Decastro – Maler, Kurator und Kunsthändler, Ludwig Seyfarth, Kunsthistoriker sowie dem Veranstalter selbst, wählt die Teilnehmenden aus.

Bewerbungsschluss ist der 31. Januar 2025!

               Projektmanagement: BAM! Berlin Art Management – Anemone Vostell
In Kooperation mit: Sculpture Network

MK Kaehne – Pi = 3,14159

Eine retroaktive Künstlermonographie im DCV-Verlag

MK Kaehne: Day (Koffer: Selbst), 2001, Fotografie, 120 x 160 cm.
MK Kaehne: Day (Koffer: Selbst), 2001, Fotografie, 120 x 160 cm.

Die Biografie des Konzeptkünstlers MK Kaehne (geb. 1963 in Vilnius, lebt und arbeitet in Berlin) oszilliert zwischen Vilnius, Moskau und Berlin.

Vom russischen Konstruktivismus geprägt, zeichnet und baut er Koffer-Skulpturen in Warenhausästhetik, eine Umkehrung des Readymade-Prinzips. Sein Schwerpunkt verlagert sich allmählich vom Formalen zum Psychologischen, hin zu lebensgroßen Figuren wie It’s me (2023): eine hyperrealistische Nachbildung seiner selbst, kopfüber im Schlamm liegend, daneben ein Gartenzwerg.

Kaehne arbeitet streng analytisch, die Ergebnisse aber sind voller Tragik und Ironie. Absichtslose Zeichnungen, in denen Biografisches, Dadaistisches und Politisches verschmelzen, begleiten sein Oeuvre. Ein Gesamtkunstwerk, das die persönliche wie gesellschaftliche Entwicklung nachzeichnet.

MK Kaehne, Koffer: Landschaft, 2005, mixed media, Polyester, Dia/Neon, Chrom, Leder, 188 x 220 x 200 cm (geöffnet). Foto, Arwed Messmer
MK Kaehne, Koffer: Landschaft, 2005, mixed media, Polyester, Dia/Neon, Chrom, Leder, 188 x 220 x 200 cm (geöffnet). Foto, Arwed Messmer

Aus der Malerei kommend, entwickelt Kaehne zunächst Objekte zur Beobachtung und Vermessung des Bildraumes, zeichnet, konstruiert und baut Koffer-Skulpturen, mit denen er Gesellschaftliches, wie Autobiographisches thematisiert. Geprägt vom russischen Konstruktivismus, hineinkatapultiert in die Wendezeit verfolgt er quasi eine fluxistische Strategie, die Brüche seiner Zeit zu verarbeiten.

MK Kaehne ist Bildhauer, der Systeme präzise plant und baut. In ihrer detaillierten Mechanik und konsequenten Ausführung sind seine Skulpturen luxuriöse Erfüllungsbaukästen, die vom Schneebesen bis zur Krawattennadel alles bieten, was man im Alltag braucht. Aber Kaehne ist kein Designfetischist! In ihrer Warenhausästhetik sind seine Werke Kunstobjekte, mit denen er die geschönte Sichtweise der Konsumwelt brechen will.

Grammatikalisch-formal wie inhaltlich-diskursiv stellt er sich in den Kontext seiner Vorbilder Malewitsch oder auch Duchamp. Sucht ein Bild zu kreieren, das stimmig ist, gedanklich und formal. Präzise formuliert der Bildhauer in seinen Objekten die gesellschaftlichen Themen seiner Zeit, nimmt den konstruktivistischen Anspruch ernst.

MK Kaehne, Portrait (My mother was…), 2020/21, Silicon, Haare, Holz, Sweatshirt bestickt, 181 x 68 x 52 cm mit Sockel, Foto Eric Tschernow

In seinen jüngsten Arbeiten verlagert sich der Schwerpunkt vom Formalen mehr zum Psychologischen. Kaehne kreiiert nun lebensgroße Figuren, wie z. Bsp. „It’s me“ (2023). Eine hyperrealistische Nachbildung seiner selbst, kopfüber im Schlamm liegend, neben einem schelmischen Gartenzwerg. Die Arbeit am Thema ist stets streng analytisch, Kaehnes Resultate aber sind ironisch.

Projektionsfläche ist das biografische Erleben des Künstlers. Die Subjektivität wird so weit abstrahiert, dass sie zum Kunstwerk wird. „Alles kann in die Kreativität einfließen, durch wachsames Beobachten. Ohne Absicht, ohne Wollen“, so MK Kaehne, aber „es muss unbedingt wertfrei sein!“

In einer Endlos-Serie datumsloser Zeichnungen „P=3,141…“, die sein komplettes Oeuvre begleiten, lässt Kaehne Biografisches, Dadaistisches und Politisches miteinander verschmelzen. Ein Gesamtkunstwerk, das wie kein anderes die persönlichen wie gesellschaftlichen Entwicklungen vor dem Hintergrund einer Ost-West-Biografie nachzeichnet, ge- und erlebt vor allem in Berlin Prenzlauer Berg.

MK Kaehne: Stalin mit Ameise, o.D. Tusche/ Papier, Prägung auf Passepartout, zweiteilig, 
19,7 x 31,5 cm / 16,2 x 31,5 cm, Rahmenmaße 67 x 50 cm, Foto Eric Tschernow.
MK Kaehne: Stalin mit Ameise, o.D. Tusche/ Papier, Prägung auf Passepartout, zweiteilig,
19,7 x 31,5 cm / 16,2 x 31,5 cm, Rahmenmaße 67 x 50 cm, Foto Eric Tschernow.

Die zeitgeschichtliche Einordnung seines Werkes wird durch einen Text der Kultur-Journalistin Brigitte Werneburg vorgenommen. Werneburg war Redakteurin bei der taz – die tageszeitung und hat Kaehnes Werke bereits 1995 in der Galerie Johannes Zielke und 2017 bei Michael Schultz besprochen. Ergänzt durch ein Gespräch mit der langjährigen Kennerin seines Werkes, Kulturmanagerin Anemone Vostell, in dem Kaehne sein künstlerisches Selbstverständnis erläutert, das im Spannungsfeld von Ost-Sozialisation und West-Erlebnis, staatlicher Protektion und Markt-Freiheit steht.

Die Monographie bildet eine chronologische Übersicht seiner wichtigsten Werke in fließendem Übergang ab: von den Anfängen der Malerei über erste Installationen und Objekte, unterbrochen von Zeichnungen, bis hin zu den teils fotografisch inszenierten Skulpturen.

Insgesamt ist die retroaktive Monographie als bilanzierende Positionierung des Künstlers in unseren Zeiten des Umbruchs, aber vor allem auch vor dem Hintergrund der weltpolitischen Ereignisse, quasi in der Umkehrung des Mauerfall-Phänomens, zu lesen, für das das Berlin der Vor- und Nach-Wendezeit steht.

Cover mit Zeichnung "Pi=3,141..." von MK Kaehne. Gestaltung: müller&friends grafikdesign.
Cover mit Zeichnung „Pi=3,141…“ von MK Kaehne. Gestaltung: müller&friends grafikdesign.

Die Kreiszahl Pi=3,141… beschreibt das Verhältnis von Umfang zu Durchmesser und hat unendlich viele Nachkommastellen. Darin sind bislang keine vorhersagbaren Muster erkennbar, die Ziffernfolge erscheint chaotisch und ist somit eine Konstante ohne Einheit.

In konsequenter Logik aus der räumlichen Arbeit eines Bildhauers übersetzt Kaehne dieses Prinzip der Irrationalität auf die Gestaltung des Katalogs, indem die chronologische Übersicht seines Gesamtkunstwerks, den fließenden Übergang von der Malerei, über die „Werkzeuge zum Koordinieren und Beobachten“ bis hin zu den Objekten und Skulpturen, durch absichtslose Zeichnungen unterbricht, und gleisam den Kreis seines künstlerischen Schaffens schließt.

Die Gestaltung des im November 2024 im DCV-Verlag erscheinenden Katalogs erfolgt in Zusammenarbeit mit der Gestaltungsplattform müller&friends grafikdesign. von Prof. Felix Müller.

Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt Berlin, sowie mit freundlicher Unterstützung von Dr. Erika Habermalz, ehm. Galerie Hartwig, Bremen und Galerie Hartwich, Rügen.

Sculpture Network’s Emerging Sculptor Award 2024

BAM! nominierte Künstlerinnen besetzen die ersten beiden Plätze des neu ins Leben gerufenen Preises für aufstrebende Bildhauer*innen

Ruta Putramentaite, Creature No. 17 (detail), 2023. Garbage, paper mache, soil, sugar, bioplastic, flax seeds, wood, bones, approx. 2m x 1m x 1m
Ruta Putramentaite, Creature No. 17 (detail), 2023. Garbage, paper mache, soil, sugar, bioplastic, flax seeds, wood, bones, approx. 2m x 1m x 1m

Zum ersten Mal vergibt Sculpture Network, das führende Netzwerk für dreidimensionale Kunst in Europa, drei Preise, um den künstlerischen Weg aufstrebender Bildhauer*innen zu unterstützen. BAM! Berlin Art Management nomierte die beiden ersten Plätze: Der erste Preis geht an Ruta Putramentaite (geb. 1989, LT), der zweite Preis an Jindřiška Jabůrková (geb. 1995, CZ). Der dritte Preis an Nevena Ekimova (geb. 1984, BG).

Die Koordinator*innen des Netzwerks waren aufgefordert, mindestens drei Künstler*innen im Alter von bis zu 40 Jahren für den Preis zu nominieren, der an keinerlei Auflagen gebunden, und mit jeweils 3.500, 2.500 und 1.500 Euro dotiert ist.

Portrait of young artist Ruta Putramentaite (LT/CZ)
Ruta Putramentaite (LT/CZ)

Platz 1 belegt Ruta Putramentaite aus Litauen. Sie hat einen unverwechselbaren und interaktiven Weg eingeschlagen, um der Frage nachzugehen, was es bedeutet, Mensch im 21. Jahrhundert zu sein. Sie bewegt sich an der Grenze zwischen persönlichen und kollektiven Spuren und konzentriert sich auf die asymmetrische Beziehung zwischen Natur und Mensch. In ihren Arbeiten, in denen sie die verschiedensten Medien einsetzt, darunter Skulptur, Schrift, Audio und Performance, verbindet sie die Wiedergabe übernommener Botschaften mit ihrer eigenen Agenda.

Installation by Ruta Putramentaite, No Title, 2023. Garbage, paper mache, kombucha leather, soil, sugar, wood, bones, dimensions variable
Ruta Putramentaite, No Title, 2023. Garbage, paper mache, kombucha leather, soil, sugar, wood, bones, dimensions variable

Wir treffen auf Fragmente der Hinterlassenschaft menschlicher Aktivitäten und ihrer Wirkung auf die Umwelt. Durch ihre Installationen wird die Verflechtung von industriellen und natürlichen Prozessen offengelegt, konzeptionelle Unterscheidungen werden in Frage gestellt und ihr wechselseitiger Einfluss sichtbar gemacht. Ihre einzigartige Fähigkeit, diese existenziellen Fragen künstlerisch zu transportieren, zeichnet ihre Auseinandersetzung mit unserer Zukunft aus.

Ruta Putramentaite (geb. 1989) stammt aus Litauen, lebt in Tschechien. Sie studierte Fotografie an der Middlesex University in London und ist Absolventin des Prager UMPRUM (Edith Jeřábková und Dominik Langs Studio für Bildhauerei).

Jindřiška Jabůrková: Through Quiet Places you Shall Unite, 2022. Concrete, clay, 35 qm, site-specific installation. Photo: Peter Kolárčik
Jindřiška Jabůrková: Through Quiet Places you Shall Unite, 2022. Concrete, clay, 35 qm, site-specific installation. Photo: Peter Kolárčik

Kuratorin Veronika Čechová (Entrance Gallery, Praha/CZ), mit der ich über das Saloon Netzwerk verbunden bin, macht mich auf die junge Bildhauerin Jindřiška Jabůrková aufmerksam. Sie fasziniert mit ihrer Fähigkeit, magische Welten zu erschaffen. Mit gezielten Gesten, die spielerisch erscheinen, lädt Jabůrková die Betrachter:innen ein, sie auf ihrer fesselnden Reise zu begleiten.

Aus weggeworfenen Materialien, die sie im öffentlichen Raum findet, formt Jabůrková ihre eigenen einzigartigen Objekte. Sie erscheinen uns wie natürlich gewachsene Formen und Strukturen und bilden neue Gegenstände ohne Funktionen, die in ihrem eigenen Kosmos unser tägliches Handeln hinterfragen. Ihre künstlerischen Arbeiten ähneln Landschaften, wobei die entstehenden Objekte an Narben auf der Haut erinnern und zum Nachdenken über unsere Konsumgewohnheiten anregen.

Jindřiška Jabůrková wurde 1995 in Zlin, Tschechische Republik, geboren und studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Prag.

Jindřiška Jabůrková in her studio. Photo by Juliana Vlčková
Jindřiška Jabůrková. Photo by Juliana Vlčková

Den dritten Preis belegt die bulgarische Bildhauerin Nevena Ekimova, nominiert von Künstlerin und Sculpture Network Koordinatorin Marina Bauer.

Nevena Ekimovas tiefe Leidenschaft für den bildhauerischen Ausdruck zeigt sich in ihrer engen Verbindung zum Publikum wider. Ihre visuell beeindruckenden und taktilen Kunstwerke sind eine Mischung aus Poesie und Performance und laden zur aktiven Auseinandersetzung ein.

In ihren Werken erforscht sie die Machtdynamik in Beziehungen und die Traditionen Bulgariens. Ausgebildet in Norwegen, Island und an der schwedischen Kunstakademie Valand, schafft Ekimova eine Verbindung zwischen ihrer internationalen Kunstausbildung und dem kulturellen Erbe ihres Heimatlandes. In Anknüpfung an die Textiltradition von Gabrovo verwendet sie in ihren Werken recycelte Stoffe. Sie überzeugte die Jury mit ihrem erzählerischen Charme und ihrer starken Bindung an das Erbe ihres Heimatlandes. Ekimova ist eine hervorragende Wahl für die Auszeichnung.

Installation „Wooden Wedding“, Autorin Nevena Ekimova / Ausstellung „Everything (is) OK“, Fonds zur Unterstützung künstlerischer Projekte von Frauen, Bulgarischer Fonds für Frauen / Fotografin: Rosina Pencheva
Инсталация „Дървена сватба“, автор Невена Екимова / изложба „Всичко (ни) е наред“, Фонд в подкрепа на артистични проекти на жени, Български фонд за жените / фотограф: Росина Пенчева

Sculpture Network fördert das Medium Skulptur durch die Vernetzung von Künstler:innen, Kunstfachleuten, Kurator:innen und Liebhaber:innen der Bildhauerei in Europa und darüber hinaus. Seine Mitglieder haben die Möglichkeit, ihre Werke auf der Website dieses führenden Netzwerks für dreidimensionale Kunst zu präsentieren, und profitieren von seiner Reichweite. Über die Sculpture Network-Website, die sozialen Medien, den Newsletter sowie Live- und Online-Veranstaltungen werden Skulpturliebhaber:innen international verknüpft.

Das Kuratorium von Sculpture Network, der Künstler und Mitbegründer Hartmut Stielow und die Kunsthistorikerin Laure Debouttiere schlugen vor, den Emerging Sculptor Award ins Leben zu rufen, um aufstrebende Bildhauer:innen im Alter von 25 bis 40 Jahren zu fördern und zu unterstützen.

Für den ersten Platz wurden 3.500,- Euro vergeben, der zweite Preis ist mit 2.500,- Euro und der dritte Preis mit 1.500,- Euro dotiert. Die Preisträger:innen erhalten außerdem eine kostenlose einjährige Mitgliedschaft im Sculpture Network.

Die Koordinator:innen von Sculpture Network, Susanne Ahrenkiel, Marina Bauer, Neus Bergua, Anne Berk, Frank Nordiek, Hilde van Canneyt und Anemone Vostell, haben 32 Kandidaten und Kandidatinnen nominiert. Als Kunstfachleute und Künstler:innen haben sie einen Einblick in die Kunstszene ihrer Länder und der angrenzenden Regionen.

Die Jury war mit Hartmut Stielow, Laure Debouttiere, dem Künstler und Kurator Philipp Morlock unter dem Vorsitz von Künstler und Assistant to the Board Blake Ward besetzt. Nach Durchsicht von 32 beeindruckenden Bewerbungsprofilen und Portfolios traf die Jury ihre Wahl anhand der Kriterien künstlerische Innovation und Experimentierfreude sowie Bekenntnis der Kandidat:innen zum Medium Skulptur.

Weitere Informationen finden Sie unter diesem Link!

Art moves – art connects

Sculptura #2 festival in Brussels

Pavlina Kvitas riesige Skulptur Guardian von 2023 im historischen Gare Maritim in Brüssel zum belgischen Skulpturen-Festival Sculptura #2 vom 19. Januar bis 10 März 2024
Pavlína Kvita (*1988): Guardian, 2023. Glasfaserbeton, 250 x 210 x 180 cm. Foto Willi Reiche.

Zum zweiten Mal findet in Brüssel das Sculptura Festival statt. 2024 wurde Sculptura #2 erweitert und bezieht den öffentlichen Raum mit ein. Die Ausstellung im historischen Gare Maritime wird um einen Skulpturenpark auf dem Gelände von Tour & Taxis sowie von Ausstellungen an verschiedenen Orten in der europäischen Hauptstadt ergänzt.

Sculptura ist eine europäische Geschichte, an der 40 Künstler*innen aus allen Teilen Europas teilnehmen. In Zusammenarbeit dem führenden europäischen Netzwerk für dreidimensionale Kunst sculpture-network.org hatte ich neben meinen Kolleg*innen Anne Berk, Marina Bauer (HRV) und Hilde van Cannyet (BE) die Gelegenheit, zwei Bildhauer*innen aus dem Baltikum für die Ausstellung zu kuratieren:

Sigita Dackevičiũtė (*1959) aus Litauen mit der Installation Nature/Civilisation II aus dem Jahr 2021. Dackevičiūtė studierte Kunst in Vilnius und Kaunas, und unterrichtet Bildhauerei, Komposition und Zeichnung am Kunstgymnasium Kaunas seit 1983.

Die mehrteilige Installation Nature/Civilisation II von Sigita Dackevičiūtė auf dem Festival Sculptura #2 in Brüssel 2024.
Sigita Dackevičiūtė: Nature/Civilisation II, 2021 , © Sculptura#2 (in front)

Ihr Werk umfasst Installationen, Skulpturen und digitale Kunst. Es ist eine Kombination aus abstrakten Formen, geometrischen Mustern, organischen Elementen und leuchtenden Farben. Sie experimentiert oft mit verschiedenen Techniken und Materialien, was ihren Arbeiten eine dynamische und ausdrucksstarke Erscheinung verleiht.

Ihre Installationen mäandern entlang ökologischer Themen und der Überschneidungen von Natur und Technik. Andere Themen, die Dackevičiūtė in ihrem Werk erforscht, sind die Spannung zwischen dem Individuum und der Gesellschaft sowie die Suche nach Identität und Selbsterkenntnis. Sie lenkt ihre Aufmerksamkeit auf Prozesse wie ‚jemand anderes zu werden“, oder „in den Schuhen eines anderen zu stehen“, als auch auf das Infragestellen gewohnter Hierarchien.

Die inhaltliche Spannung verstärkt sie durch Konfrontation und Kontrastierung von Formen, Materialien und Rhythmen. Unterschiedliche Formen und Rhythmen interagieren unterschiedlich mit visuellen Eindrücken: Sie verstärken oder schwächen sich gegenseitig und schaffen zusätzliche, widersprüchliche Schichten von Bedeutung.
Ihre Arbeiten geben keine Antworten, sie versuchen lediglich, die Komplexität die komplexe Beziehung des modernen Menschen zur Natur und Gesellschaft aufzuzeigen.

Des weiteren Mari Männa (* 1991), eine estnische Künstlerin, die bekannt für ihre Skulpturen und Installationen ist. Sie studierte an der Estnischen Kunstakademie, an der Gerrit-Rietveld-Akademie in Amsterdam und an der Aalto-Universität in Helsinki.

Die estnische Künstlerin Mari Männer in ihrer Skulpturengruppe "Remnants" von 2021.
Maria Männa: Remnants, 2021

Maris Arbeit ist inspiriert von der Natur und alter Architektur. Ihre Skulpturen sind oft abstrakt und minimalistisch und zeigen einen Sinn für Bewegung und Dynamik. Ihre bildhauerische Praxis wird von dem Drang angetrieben, Materialien zu erforschen und als ein tägliches Ritual greifbare Formen zu schaffen. Indem sie sich auf Versuch und Irrtum einlässt, hält sie den dynamischen Fortschritt in ihrer Praxis aufrecht. Gleichsam sind ihre Installatione großformatig und imposant und zeigen die Schönheit der Natur und der menschlichen Interaktion mit der Umwelt.

Die Installationen von Männa laden dazu ein, Ruinen zu entdecken: Reste von antiker Säulen und Reliefs. Ihre Werke scheinen einer archäologischen Stätte zu entstammen, wo man sie aus verschiedenen Perspektiven erkunden kann.

Für sie funktioniert Humor als ein wesentlicher Bewältigungsmechanismus, der es ermöglich, gesellschaftlich unerwünschte Impulse umzulenken. Ihre Kunstwerke verweben persönliche Geschichten mit größeren politischen Geschichten.

Acht Wochen lang (19.01.- 10.03.2024) läuft das Festival unter dem Motto „Art Moves, Art Connects“ (Kunst bewegt, Kunst verbindet), bei dem es um die Entdeckung von Skulpturen aus verschiedenen Kunstrichtungen geht, von monumentalen bis hin zu kleineren Werken. Ziel dieser Begegnung ist es, das Publikum zu ermutigen, sich mit dem Genre der Skulptur zu beschäftigen und sich bewusst damit auseinanderzusetzen, woran man in der Stadt eher vorbeigeht. So wird es in Brüssel selbst mehrere Skulpturen zu entdecken geben, unter anderem im Pixel Museum, im MigrationMuseumMigration in Molenbeek und im Hotel The Dominican.

Unter dem Label des belgischen Vorsitzes des Rates der Europäischen Union im ersten Halbjahr 2024 wurde Sculptura als offizielle kulturelle Aktivität anerkannt. Darüber hinaus wird das Festival eine zusätzliche Komponente haben, die die Kunstsammlung des Europäischen Parlaments hervorhebt.

Der Katalog zur Ausstellung steht hier zum Download bereit.

Let’s talk about LOVE

Ein Gespräch mit dem Künstlerpaar Katrin Bongard und Uwe Carow in der Kunstgießerei Altglienicke

Artists Katrin Bongard and Uwe Carow in front of their works
Katrin Bongard und Uwe Carow vor ihren Werken

Katrin Bongard und Uwe Carow bezeichnen sich als „working couple“ Katrin versteht sich als Malerin, auch wenn die meisten Ihrer Arbeiten Wandobjekte sind. Uwe ist Bildhauer und Poet. Seit sie sich in der Hausbesetzer-Szene Berlins der 80er Jahre kennen lernten, leben sie einem fortwährenden Dialog, der sich über ihre Beziehung, Familie, ihr gesamtes – künstlerisches -Schaffen, ihr Sein erstreckt.

Die Ausstellung LOVE YOU – RELATIONS ist das Ergebnis ihrer EXPLORATION #1 – einem Format, das Bongard und Carow in 2022 entwickelten und als Exhibition in Progress bezeichnen. Zwei Künstler erforschen sich gegenseitig, kombinieren ihre Arbeiten, finden neue Wege der Ausstellung, kommunizieren durch Kunst.

Die zweiteilige Plastik "Paar #4" von Uwe Carow, bemalt von Katrin Bongard.
Uwe Carow: Paar #4, 2022/3

Artist Talk – Sonntag 12. November 2023 – 15 Uhr

Kunstgiesserei Altglienicke

Wegedornstraße 46 | 12524 Berlin | Deutschland

Fon: +49(0)30 44 55 181 | Fax: +49(0)30 44 73 23 11

E-Mail: 

Internet: www.kunstgiesserei-altglienicke.de

Is it no more beautiful than that?

Und doch: Schöner ist es nicht? Neueröffnung von CAMP SPACE Berlin

Gemälde der jungen Malerinnen Roxanne Krumm (USA) und Skai (Litauen) in der Pop-Up Galerie CAMP SPACE Berlin
Malerei von Roxanne Krumm and Skai kuratiert von Tayla Camp

7. September bis 2. Oktober 2023

Mit „Is It No More Beautiful Than That?“ / „Und doch: Schöner ist es nicht? Das ist das Ganze?“ eröffnet Kuratorin und Galeristin Tayla Camp (geb. 1991, USA)  einen neuen temporären Kunstraum in Berlin Mitte. Das Projekt Camp Space etabliert sich als Pop-Up Galerie, die insbesondere Frauen und artists of color eine Plattform bietet.

Gallery owner and curator TAYLA CAMP sitting in her black office.
Gallery owner and curator Tayla Camp

Mit der Eröffnungsausstellung werden zwei junge Künstlerinnen auf ihrer komplexen Suche von Enttäuschung und Unzufriedenheit hin zu emotionaler Erfüllung begleitet. Mit neuen stilistisch unterschiedlichen aber thematisch aufeinander bezogenen Werken dokumentieren die Künstlerinnen Roxanne Krumm (geb. 1988, USA) und Skai (geb. 1992, Litauen) ihr entschlossenes, fast zermürbendes, Bemühen um Wahrheit und Lebendigkeit sowohl in sich selbst als auch in der sie umgebenden Realität.

Camp Space will aufstrebenden Künstler:innen, insbesondere Frauen und artists of color würdigen, deren Werke Geschichten erzählen und zur Sinngebung anregen. Durch sorgfältig kuratierte Präsentationen, die sich mit sozialen, kulturellen und politischen Themen auseinandersetzen, gewährt Camp Space eine Plattform für intersektionale Repräsentation. Camp Space bietet Kunstwerke zu Preisen, die auch kleineren Budgets gerecht werden, von hochwertigen Kunstdrucken bis hin zu Originalgemälden in unterschiedlichen Formaten.

Awesome painting "When will the wait be over?" (2022, oil on canvas, 40 x 40 cm) by young lithuanian painter SKAI
Skai: When will the wait be over?, 2022. Oil on panel, 40 x 40 cm.

Galerie Neueröffnung in Berlin
Camp Space präsentiert: „Und doch: Schöner ist es nicht?“
Werke von Roxanne Krumm und Skai, kuratiert von Tayla Camp
07.09. – 02.10.2023
Brunnenstraße 22, 10119 Berlin

Presse Preview: 4. September, 18 bis 22 Uhr
Vernissage: 6. September, 18 bis 23 Uhr

Press Contact: ARTEFAKT Kulturkonzepte